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Strassenlärm
Peter Mohler, Lärmschutzexperte

Peter Mohler,
Lärmschutzexperte

Leise Strassenbeläge schützen auch das Klima

Es wird immer heisser: Seit den 1970er-Jahren steigen die Sommertemperaturen insbesondere in den Städten kontinuierlich an. Der Hitzestress hat uns definitiv erfasst. Wir müssen was tun.

Prognosen zeigen, dass sich gegenüber 1995 die Anzahl der Hitzetage (Tage > 30Grad) bis 2035 mehr als verdoppeln, bis 2085 in Bern mehr als vervierfachen, in Sion gar versechsfachen wird. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind verheerend. Zum Beispiel betrug die Übersterblichkeit im Hitzesommer 2003 6,9 Prozent, 2015 ebenfalls hohe 5,4 Prozent. Der Produktivitätsverlust durch den Klimawandel kostet jedes Jahr hunderte von Millionen Franken.

 

Nachbarn haben sich erfolgreich gewehrt

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Was kann die öffentliche Hand gegen Hitzestau tun?

Zu den Gründen für die Aufheizung unserer Siedlungsräume gehört die wachsende Zahl unserer Strassen und Plätze mit schwarzen, dichten Belägen. «Kühlere» Oberflächen sind gefragt. Die Fläche der Stadt Basel besteht zum Beispiel aus 20 Prozent Strassen, die im Eigentum der öffentlichen Hand sind. Hier liegt ein grosses Potenzial, eine kühlere Stadt zu erzeugen. Hellere Farbgebung durch Anstriche, farbige Beläge oder Oberflächen mit hellem Gestein können laut CH2018-Webatlas eine kühlende Wirkung von 5,5 bis 9,5 Grad bewirken.

Was kann die öffentliche Hand gegen Lärmstress tun?

Im nächsten Jahrzehnt nimmt der Verkehr durch erhöhtes Mobilitätsbedürfnis, Wirtschaftswachstum und Bevölkerungszuwachs weiter zu. Bis 2040 prognostiziert das UVEK einen PKW-Mehrverkehr von 18 Prozent und eine Zunahme des Güterverkehrs von 33 Prozent. Dadurch wird es an unseren Strassen, in unseren Siedlungsräumen immer lauter.

Eine der Lösungen sind lärmarme Strassenbeläge. Am besten wirken innerorts semidichte Asphalt-Strassenbeläge des Typs SDA 4-16. Die Lärmabstrahlung verringert sich im ersten Jahr nach Inbetriebnahme um 8 bis 6.5 Dezibel. Das entspricht dem Äquivalent einer Verkehrsminderung um das Sechs- bzw. Viereinhalbfache. Grossartig dabei ist, dass dieser lärmarme Belag mit seiner porösen Struktur – aufgehellt durch helles Gestein und oberflächenbehandelt – eine kühlende Wirkung von bis zu zwölf Grad Celsius erreicht.

Wir können gleichzeitig was für weniger Hitze und weniger Lärm tun.

Es ist also klar: Gleichzeitige Bekämpfung des Strassenverkehrslärms und der Folgen des Klimawandels durch überhitzte Siedlungsräume ist möglich. Gemeinden, Städte und Kantone sind aufgefordert, zu handeln. Und die Bevölkerung sei ermuntert, lärmarme und kühlende Strassenbeläge an ihren Wohnorten mit Nachdruck zu fordern.

Die Lärmliga Schweiz ist der Bevölkerungsgesundheit, dem Schutz unseres Lebensraums und also auch dem Klimaschutz verpflichtet. Sie ist dem Ja-Komitee zum CO2-Gesetz beigetreten und ruft auch aus Sicht des Lärmschutzes dazu auf, die Vorlage des Bundesrates am 13. Juni 2021 anzunehmen und das Referendum der Öl- und Autolobby zurückzuweisen.

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